Unser Pommernland ist immer eine Reise wert

Begegnungen mit Land und Leuten in unserer Heimat
Margrit Schlegel, PKST-Präsidentin

Auch die 13. PKST-Sommertagung in Varzin war wieder gut besucht. Die Hälfte der Teilnehmer nutzte die erstmals angebotene Gelegenheit mit einem Reisebus vom Pommern-Zentrum aus nach Varzin zu fahren. Die übrigen Landsleute reisten mit dem eigenen PKW an, zumeist wollten sie vor oder nach der Tagung noch ihre Heimatorte aufsuchen. So kamen die 48 Teilnehmer bei unwetterartigen Regenfällen am Zielort an. Zum Glück besserte sich das Wetter zusehends, so dass wir schöne Tage in Pommern verleben konnten.


Die Teilnehmer vor der Kirche in Altkolziglow

Nach der Begrüßung und der Einführung in dieTagung durch die PKST-Präsidentin folgte am nächsten Morgen im Weißen Salon des Schlosses der Vortrag von Dr. Peter Manka über Bismarck und Varzin. Zu unserer Begrüßung war die stellv. Bürgermeisterin der Gemeinde Hammermühle, zu der Varzin gehört, gekommen.

Nach einem Gang durch den Park, vorbei am Relief von Bismarcks Lieblingspferd „Schmetterling“ legte Margrit Schlegel an den drei Cnotka Eichen zum Gedenken an den Initiator der Sommertagung einen Eichenkranz mit einer Schleife in den Pommernfarben nieder.


Empfang im Weißen Salon

Später folgte der Vortrag von Irmtraud Holzinger über die 700 Jahre alte Stadt Stolp, passend zu den Anfang September in Stolp stattfindenden Jubiläumsveranstaltungen. Es schloss sich eine rege Diskussion an, über den Gebrauch der Ortsnamen in deutschen Texten bis hin zu den bereits stattgefundenen 700 Jahrfeiern in Naugard und Neustettin. Letztendlich lagen uns Texte aus Stolp über das Jubiläum vor, in denen selbst in deutscher Sprache nur von Slupsk die Rede ist.

"Es ist nicht leicht unter Bismarck Kaiser zu sein" mit diesem Ausspruch des jungen Kaiser Wilhelm II. begann Ulrich Erbe dann seinen Vortrag über Bismarcks Entlassung aus dem Staatsdienst vor 120 Jahren. Am 18. März 1890 reichte Bismarck sein Abschiedsgesuch ein und am 26. März verabschiedete er sich vom Kaiser. Bismarck hatte in den letzten vier Jahren zusammen mit seinem Sohn Herbert und seinem Neffen die Staatsgeschäfte geführt. Den jungen Kaiser Wilhelm den II. hielt er für unreif. Es war Bismarcks Abschied von der Macht und zugleich das politische Sterbebett eines großen Mannes. Die Bismarckverehrung setzte jedoch erst nach seinem Tode ein, als z.B.in ganz Deutschland Bismarckdenkmäler errichtet wurden.

Zum Abendessen fuhren wir nach Krangen. Im Hotel "Podewils" aßen wir zu Abend und verbrachten dort noch eine Zeit bei lebhaften Gesprächen. Am nächsten Tag stand zunächst die Stadt Rügenwalde auf dem Programm mit dem Besuch des Museums im Schloss und einem Gang durch die Altstadt, die im Krieg fast unzerstört blieb. Ferner besuchten wir die Marienkirche mit den Sarkophagen der Pommernherzöge. Dann ging es weiter nach Rügenwaldermünde.


Auf der Treppe des Bismarckschosses

Zum traditionelle Grillabend trafen wir uns oberhalb des Varziner Parks. Bis in den späten Abend saßen alle noch beim Lagerfeuer. Ein Akkordeonspieler sorgte für Musik, auch deutsche Volkslieder zum Mitsingen wurden angestimmt. Der Abend endete mit dem gemeinsamen Gesang des Pommerliedes.

In der Kösliner Gertraudenkapelle erwartete uns Pastor Staszczak am nächsten Morgen zu einer Andacht. Bis 1945 gehörte die Kapelle der ev.-luth. Gemeinde in Köslin. Später diente sie u.a. als Abstellraum. Am 20. Mai 2000 wurde sie der evangelischen Gemeinde Köslin zurückgegeben.

Frau Dr. Scheller, mit der wir verabredet waren, wollte uns nach der Andacht den Schwesternfriedhof in Köslin zeigen, der sich offensichtlich in einem beklagenswerten Zustand befindet. Leider haben wir in der Großstadt Köslin mit unserem Reisebus den Anschluss an ihr Taxi verpasst. So wurde nichts aus dem Unternehmen, ebenso wie die geplante Gedenksteineinweihung in Dörsenthin nicht stattfinden konnte, da die Stadt Köslin ihre Einwilligung dazu bisher noch nicht gegeben hat.

Unsere nächste Station war Großmöllen, der Badeort der Kösliner. Aber bei stürmischem Seegang fiel das Baden hier aus. In einem Hotel in unmittelbarer Nähe zum Strand wurden wir mit einem guten Mittagessen und einem Blick auf die stürmische Ostsee entschädigt.

Auf der Rückfahrt besichtigten wir die Patronatskirche Otto von Bismarcks in Wussow, und einige von uns legten den Weg über den Kirchsteig nach Varzin zu Fuß zurück.

Über Martin Reepel, den Pommernwanderer, hörten wir von Frau Holzinger einen sehr anschaulichen Vortrag. Er war ihr Lehrer in der Arndt-Mädchen-Mittelschule in Stettin, so berichtete sie z.T. aus eigenem Erleben.

Einen Höhepunkt unserer Varziner Tagung bildet immer der Tag "Auf den Spuren Otto von Bismarcks", besonders dann, wenn unser Landsmann Hans-Ulrich Kuchenbäcker uns durch seinen Kreis Rummelsburg führt.

In Altkolziglow besichtigten wir die Traukirche von Otto von Bismarck und Johanna von Puttkamer. Weiter ging es zum Elternhaus von Johanna nach Reinfeld. Hier trafen wir den Besitzer, der uns erstmalig einen Teil seines restaurierten Gutshauses zeigte. Er hat im Park die Gräber der Eltern Johanna von Puttkamers zu einer Gedenkstätte umbauen lassen, die wir ebenfalls besuchten. Eine Pastorin unter unseren Teilnehmern sprach ein Gebet an der Gedenkstätte. Später trafen wir uns auf dem Schießplatz in Rummelsburg mit der Deutschen Minderheit zum Mittagessen.

Zum Abschiedsempfang waren der Bürgermeister von Rummelsburg und der Vorsitzende des Stolper Bundes Detlef Rach gekommen. Die Präsidentin sprach Worte des Dankes an Peter Manka und an die Teilnehmer für ihre Treue bzw. für das Interesse der zahlreichen Erstteilnehmer. Zwei über Neunzigjährige waren unter uns, und zwar Frau Elisabeth Brossog und Herr Otto Brandenburg, die beide bei fast allen Tagungen dabei waren.

Die Urkunde, die alle Teilnehmer erhielten, trug dieses Jahr passend zum Thema von Herrn Ulrich Erbe eine Karikatur vom Abschied Otto von Bismarcks aus dem Staatsdienst vor 120 Jahren.

Mit dem gemeinsamen Gesang des Pommernliedes endete der Abschiedsabend in Bismarcks Arbeitszimmer.

Wie an den Abenden zuvor fand noch ein gemütlicher Tagesausklang in der Remise statt.

Es war wieder eine Tagung mit vielen interessanten Begegnungen mit Land und Leuten in unserer pommerschen Heimat.

Die nächste PKST-Sommertagung in Varzin findet vom 14.-19. August 2011 statt.
Das neue Varziner Heft können Sie zum Preis von € 5,00 beziehen bei:
Margrit Schlegel, Winsterstr. 41 a, 45481 Mülheim, Tel: 0208-485950,
Mail: ma.schlegel@gmx.net