Die Kulturarbeit der Heimatkreise

PKST-Tagung im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald

Von Margrit Schlegel, PKST-Präsidentin

Während der Pommerntage im Mai d.J. planten wir zusammen mit der Kulturreferentin für Pommern am Landesmuseum in Greifswald eine Kulturtagung des Pommerschen Kreis- und Städtetages. Der voraussichtliche Termin dieser Veranstaltung war für Mitte November angedacht. So konnten wir auch die Wanderausstellung „Die Geburt der Romantik“, die am 21. November zu Ende geht, besuchen.

Als wir am 16. November zur verabredeten Zeit im Pommerschen Landesmuseum eintrafen, herrschte dort auffallend reger Betrieb, der sicherlich mit den letzten Tagen dieser Ausstellung zusammen hing.

Zunächst begrüßte uns der Museumsleiter, Herr Dr. Uwe Schröder, der uns eine kurze Einführung über den Ablauf unserer Tagung gab.

Die Kulturreferentin für Pommern, Frau Magdalena Gebala, stellte uns ihr Aufgabengebiet, die kulturelle Breitenarbeit vor, die die Bewahrung des kulturellen Erbes der ehemals deutsch besiedelten Regionen in Ostmitteleuropa betrifft. Das ist eine Maßgabe des Bundesbeauftragten für Kultur und Bildung auf der Grundlage des § 96 BVFG. Inhaltlich ist sie dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa unterstellt.

Die kulturelle Breitenarbeit im Landesmuseum konzentriert sich auf Kinder- und Jugendarbeit, Medienarbeit, Museumsarbeit, grenzüberschreitende Arbeit und Unterstützung der kulturellen Aktivitäten der Pommerschen Landsmannschaft und ihrer Gliederungen. So wurde auch diese Kulturtagung aus Mitteln des § 96 über die Kulturreferentin gefördert.



Romantik in Pommern

Ein ganz anderes Thema stand dann mit Frau Dr. Birte Frensen auf unserem Programm, und zwar ein Kunstgeschichtliches Seminar zur Romantik in Pommern, als Einführung zu der Wanderausstellung mit Werken von Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich und Friedrich Klinkowström. Drei Lebensläufe, drei fast zur gleichen Zeit in Schwedisch-Pommern geborene junge Männer, die gegen den Willen ihrer Väter Künstler werden wollen. Sie ergänzen sich in ihren Arbeiten, so ist das Altarbild der Greifswalder Marienkirche ein Gemeinschaftswerk. Der Kontakt zwischen den drei Malern blieb bestehen, sie wurden Freunde. Den Ausstellungshöhepunkt bilden ca. 30 Gemälde, die als Leihgaben aus Oslo und Wien sowie aus der Hamburger Kunsthalle stammen. Wegen ihrer Empfindlichkeit werden sie sicher so bald nicht wieder zusammen ausgestellt werden. Etwas Besonderes sind auch die noch nie in Deutschland gezeigten Werke aus dem Nachlass Klinkowströms aus der Welt der Romantik.



Schwedisch-Pommern und Preußisch Pommern – Landeskunde II

Vorträge zur Geschichte von Schwedisch-Pommern –Dr. Stefan Fassbinder- und zur Geschichte von Preußisch-Pommern durch Heiko Wartenberg schlossen sich am nächsten Tag an. Wir wurden damit eingestimmt auf die Besichtigung des neuen Ausstellungsteils Landesgeschichte Teil II, der von der Schwedenzeit bis zum Beginn des 1. Weltkrieges reicht. In der Ausstellung wird Geschichte auf moderne Weise gezeigt. Zeitzeugen erzählen aus ihrer Sicht, darunter berühmte Bischöfe und Herzöge. Man kann die Leistungen der schwedischen Landvermesser nachvollziehen, ein Modell des Stettiner Hafens betrachten. Die kirchlichen Ereignisse der Menschen, wie Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Tod werden anschaulich dargestellt, genau wie pommersche Trachten aus dieser Zeit. Zeitgenössische Musik, Hörspiele und Filmausschnitte runden diese sehr interessante Ausstellung, die in hervorragender Weise das Leben in Pommern in dieser Zeit zeigt, ab.

In Planung die Ausstellung Landeskunde III

Über die bereits im Entstehen befindliche Ausstellung Landeskunde III, die die Zeit vom 1. Weltkrieg bis in die Jetztzeit zeigen wird, berichtete der Leiter des Landesmuseums, Dr. Uwe Schröder. Hier ist unser Interesse verständlicher Weise besonders groß, wird doch in dieser Ausstellung Vieles gezeigt werden, das wir bewusst erlebt haben. Die Kriegsjahre, unsere Flucht und Vertreibung, die Integration in West- und Mitteldeutschland. Exemplarisch für die Heimatstuben der Heimatkreise, deren Verbleib in den Patenstädten angestrebt ist, wird die Pyritzer Heimatstube gezeigt werden. Mit Hilfe moderner Technik soll hier in Wort und Bild von Zeitzeugen über ihre Flucht und Vertreibung berichtet werden, ebenso über das Ankommen im restlichen Deutschland, z.B. im Grenzdurchgangslager Friedland, und wie es weiter ging, das Sichfinden der Landsleute nach dem Krieg in Heimatkreisen und in der Landsmannschaft. Die Bemühungen über die historische Wahrheit die Verständigung mit den heute in unserer Heimat lebenden Menschen zu fördern, wird ebenfalls ein Thema der Ausstellung sein, wie die Präsentation von Kultur und Brauchtum aus Pommern. Das Landesmuseum ist auch für diese Ausstellung auf Leihgaben von Exponaten angewiesen.

Besuch der Spezialsammlung „Pomeranica“

In der Alten Universitätsbibliothek in der Rubenowstraße 4 wurden wir von dem dortigen Fachreferenten, Ivo Asmus, durch Teile der Spezialsammlung geführt. Er zeigte uns anhand einiger Sammlungsstücke die unterschiedlichsten alten Bücher, Zeitschriften und Zeitungen. Die Sammlung enthält Literatur über und aus Pommern und Vorpommern. Es handelt sich hierbei grundsätzlich um schützenswerte Bücher, die zur Benutzung in den Speziallesesaal gegeben werden.

Besuch bei der Pommerschen Zeitung in Greifswald

Wie bereits in der Pommerschen Zeitung Nr. 47/2010 berichtet, hat die Pommersche Zeitung eine Außenstelle in Greifswald eingerichtet. Im Schuhagen 1 befindet sich das Büro. Von dort wird der Leitende Redakteur, Michael Hammermeister, ab Januar 2011 die Zeitung im bewährter Weise zusammen mit seinen im Pommern-Zentrum arbeitenden Kollegen gestalten. Das Büro ist bereits eingerichtet, und für die Teilnehmer der Kulturtagung bot sich die Gelegenheit, Herrn Hammermeister einen ersten Besuch abzustatten und ihm unsere besten Wünsche für sein Wirken in (Vor) Pommern zu überbringen.

Es war eine interessante Tagung, von der wir viele Anregungen für unsere Kulturarbeit in den Heimatkreisen mit nach Hause genommen haben.